Kuba, Tag 6; Trinidad, Strand

Kuba, Tag 1; Frankfurt – Havanna
Kuba, Tag 2; Havanna
Kuba, Tag 3; Valle de Viñales
Kuba, Tag 4; Castillo de los Tres Reyes del Morro, El Floridita, Cementerio Cristóbal Colón, Bettruhe
Kuba, Tag 5; Havanna – Cienfuegos – Trinidad

24.11.2009
Nach einer kalten Dusche (unfreiwillig!) einem katastrophalen Frühstück fuhren wir mit unserem Bus die paar Kilometer nach Trinidad. Dort galt es in der Öffentlichkeit herumzulaufen. Wir waren auf größere Entfernung sicherlich als Touristen erkennbar, sehschwache Kubaner konnten uns dann aus der Nähe auch an dem modischen roten Plastikarmband erkennen. Das war nur unter Verlust seiner strukturellen Integrität zu entfernen und wies uns als all-inclusive-Gäste des Hotels aus. (Reiseleiterin und Busfahrer hatten auch Armbänder, allerdings bezahlte der kubanische Staat ihnen wohl lediglich Voll- oder Halbpension – ihre Armbänder waren andersfarbig.)
Bei mir hatte schon das angelegt-bekommen des Armbandes am Vorabend ein merkwürdiges Stigmatisierungsgefühl ausgelöst. Gebrandmarkt, auf dass man die vergnügungssüchtigen Kapitalisten erkennen und mit offenen Händen bestürmen möge.
Wer es bis hier noch nicht gemerkt hat – das war meine erste Erfahrung mit derartiger all-inclusive-Markierungspraxis. Und es war keine gute Erfahrung.
Aber da konnte man wohl nichts machen.

Auf dem Weg von der Halbinsel herunter nach Trinidad, kamen wir wieder an so gut wie keinem anderen motorisierten Gefährt vorbei. Dafür waren am Straßenrand ab und zu Leute damit beschäftigt, den Bewuchs (hier mehrheitlich Gras) kurz zu halten. Das taten sie diesmal nicht mit züngelnden Flammen, sondern mit einer Art Sensenprügel. Ich weiß nicht wie man es nennen soll, es schien mir aber in der Tat wie eine Kreuzung aus Sense und Knüppel. Für letztere Assoziation war die charakteristische Arbeitsbewegung verantwortlich. Das Gerät war wohl halb so lang wie ein typisches Gartengerät hierzulande, irgendwo auf der Hälfte abgeknickt und bestand ab dort wohl aus einer metallenen Schneide. Durch die Kürze der Dinges mussten die Anwender sich ein Stück herunterbeugen und prügelten dann in heftigen Bewegungen seitlich auf den Boden ein. Irgendwie. So sah es aus. Unnötig zu erwähnen, dass sie dabei vermutlich schwitzen wie nur was, da es schon am frühen Morgen unbotmäßig warm/schwül war.

Das Meer da um die Halbinsel rum lag voller rostiger Schiffswracks. Keine Ahnung was das sollte…


Die Hauptstraße die wir in Trinidad passierten, waren voller Geschäftigkeit. Ziemlich viele Menschen waren unterwegs, mit irgendwelchen Dingen befasst. Man konnte wieder durch die offenen Fensterläden in die Häuser schauen. Die Fenster an den Straßen waren in der Mehrzahl vergittert, was eine bedenkenlose Öffnung wohl erst ermöglichte.
Die Seitenstraßen waren dann nicht mehr so voll.
Der Bus verblieb schließlich in einer Straße und wir legten den Rest des Weges zu Fuß zurück. Die eigentliche Innenstadt wäre für das große Fahrzeug aufgrund von baulichen Gegebenheiten sowieso wohl nicht befahrbar gewesen. Ansonsten waren dort auch sehr wenige andere Fahrzeuge zu sehen. Ein Großteil der Straßen ist mit scheinbar nahezu kugelrundem Kopfsteinpflaster versehen, steil und schmal – letzteres produziert natürlich auch enge Kurven. Man war zu Fuß deutlich besser unterwegs.





Auf dem Weg zum Romantikmuseum passierten wir auch einen staalichen Laden in den uns die Reiseleiterin zwecks Besichtigung schob. Die große Warenvielfalt gab es wie zu erwarten nicht. Holzregale- und tresen, Zettel, Stift (ob die betagte Registrierkasse genutzt wurde, war nicht erkennbar), Eier und Reis – das alles hatte natürlich einen gewissen altmodischen Charme. Aber die Leute die sich da auf Lebensmittelkarten ihre Rationen abholten, hatten sicherlich keinen Sinn für nostalische Betrachtungen. Zumal es daran aus deren Sicht vermutlich nichts Nostalgisches gab.



Weiter zum Plaza Mayor um den sich allerhand restaurierte Gebäude, darunter auch eine irgendwie turmlose und äußerlich total runtergekommen wirkende Kirche, gruppieren.















Mit so zentralen Plätzen haben die Spanier es damals wohl ziemlich gehabt – und durch Grünanlagen mit Denkmalgedönz mittendrauf jede vernünftige Nutzung (Markt o.ä.) verhindert.
Diese Kirche heißt übrigens Santísima Trinidad und soll irgendwelche religiösen Schätze Kubas beherbergen. Naja.

Das Romantikmuseum (im Palacio del Conde Brunet) war mal das Wohnhaus einer reichen Familie, die ihr Geld erfolgreich aus dem Zuckerrohr und ihren zahlreichen Sklaven gepresst hatte. Das mit dem Zuckerrohr ging Mitte des 19. Jahrhunderts den Bach runter, weil man in Europa rausgefunden hatte, dass Zucker auch aus Rüben rausgeprügelt werden konnte.
Besagte reiche Familie entschwand dann auch bald zurück nach Spanien, weil eine der Frauen (Gattin des Hausherrn oder Tochter – hab ich schon wieder vergessen) sich in Abwesenheit ihres Gemahls körperlichen Vergnügungen hingegeben hatte. Und zwar solchen, die unter Umständen ein Kind produzieren. Das war hier der Fall und düpierte die ganze Familie gesellschaftlich zutiefst. Also schnell nach Hause (Spanien) und dort erzählen dass die Frau ganz züchtig von ihrem Manne geschwängert worden sei. Von etwas anderem wusste dort ja niemand etwas.
Damit die Touristen in den Museumsräumen kein Geschirr stehlen mögen, galt es, mitgebrachte Taschen jeglicher Coleur in einem Schrank am Eingang zu deponieren. Dieser Schrank bestand aus Holz, verfügte neben zwei Türen auch über die Abwesenheit eines funktionierenden Veriegelungsmechanismusses. (Andere Besucher habe ich später inklusive Tasche gesehen. Aber mit den doofen Deutschen kann man es ja machen.)
Das gab ein großes Hallo in der Gruppe, wollte man doch Taschen mit inliegenden Wertgegenständen (z.B. Kameras – fotografiert werden durfte nur nach Erwerb einer entsprechenden Erlaubnis für einen convertiblen Peso) nicht derart ungesichert zurücklassen. Explizit die Damenwelt war teilweise mit optisch zwar ansprechenden, jedoch taschenlosen Kleidern angetan.
An meiner Hose befanden sich seitlich zwei aufgesetzte Taschen – in einer trug ich dann unsere eigenen Sachen, in der anderen je zwei Pässe und Portemonnaies von Julia und Katja herum.
Ich bin ja nicht so. Dafür ist mir dann ständig die Hose gerutscht. Die war schon ohne Ballast recht weit oben rum. (Gegen Ende des Aufenthaltes hatte sich das dann erledigt.)

















Durch das Museum führte eine nette alte Frau, die die deutschen Namen für alle Gegenstände (“Meißener Porzellan!”, “Französischer Schrank!”, “Spanisches Bett!”, “Spucknapf!”) kannte. Damit hatten sich ihre Kenntnisse der deutschen Sprache allerdings auch erschöpft, wie unsere Reiseleiterin übersetzte.

Danach wurde in der Bar Canchanchara ein gleichnamiges Getränk aus Rum, Limettensaft, Honig, Wasser und Eis konsumiert. In Tonbechern und mit einem Rühstäbchen, das in einem früheren Leben der Halm irgendeiner Pflanze war. Durch den Honig gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Im Hintergrund spielte, genau, die unvermeidliche Gruppe von Musikanten den großartigen Titel Guantanamera und andere Volkswaisen. Danach kamen sie mit dem Klingelbeutel herum um Gaben zu sammeln und CDs zu verkaufen.


Auf dem Weg zu dieser Bar haben wir noch eine Ausübungsstätte der vorherrschenden Religion Santería besucht und wurden dem Priester vorgestellt. Der saß da ganz in weiß gekleidet rum und hatte nicht so richtig viel zu tun.
Das Ganze war in einem ganz normalen Haus untergebracht, vermutlich in dem dem des Priesters.


Die Glasgefäße waren alle mit geweihtem Wasser gefüllt. Das machte einen eher abgestandenen Eindruck.

Im Vorraum lag ein Hund auf dem Boden. Vermutlich in stiller Andacht versunken oder so:

Schließlich entließ uns die Reiseleiterin auf dass wir in der Stadt umherirren und uns zu festgelegter Zeit am Plaza Mayor wieder treffen sollten. Taten wir dann auch.

Die saßen da in einem Hinterhof und musizierten fröhlich vor sich hin. Vor ihnen, das Peso-Auffanggefäß.



Hier kann man eins der Tore erkennen, mit denen die Innenstadt später für Autos abgesperrt werden würde. Das sahen wir am Abend, dann gab es an den Toren noch Polizisten, die selbige für die Fahrzeuge ihrer Verwandten öffneten. ;)




In einer der Gassen gab es einen Markt, der in seinen Waren ganz und gar auf Touristen zugeschnitten war, von denen allerdings erstaunlich wenige dort unterwegs waren. Das lag vielleicht an der Mittagszeit die mit weiter steigenden Temperaturen einherging.

Das Sortiment enthielt neben dem üblichen Kram noch allerhand Klamotten aus weißem Stoff, Leinen vermutlich. Man versuchte, die Gattin von den Vorzügen eines kleinen weißen Taufkleidchens zu überzeugen. Da unsere Nichte allerdings wohl völlig gottlos und ohne die Segnungen der christlichen Religion aufwachsen wird, hatten wir leider keine Verwendung dafür. So ein Pech.
Wir kauften dann auch nichts, assistierten Marco allerdings beim Erwerb eines Hutes. (“Ja, das sieht super aus! Ganz toll!” und so weiter. ;) )

Nach erfolgreicher Rumstreunerei in der Stadt trafen wir uns wieder am Plaza Mayor und schaukelten im Bus zurück auf die Halbinsel zum Hotel. Katja und Julia (neben uns, betörender Schimmelgeruch, See im Flur) hatten irgendwie ein neues Zimmer erbeutet und zogen um. Dort gab es dann zumindest schon mal keine Pfütze.
Mittagessen, also…was man da so essen konnte und danach der erste freie Nachmittag. Und der erste Strand.

Das dreckige (halbe) Dutzend: (v.l.n.r.) Ich, die Gattin, Torsten, Marco, Bianca, Anja:

Das Meer. Karibisch. Blau. Türkis.
Der Strand. Weiß. Palmen.
Kaum Leute da.



Die Wolken sahen stellenweise ein bisschen fies aus, aber sie haben dichtgehalten und die Sonne eher selten abgeschirmt.

An der Strandbar kriegten wir, durch unsere Sklavenarmbänder, kostenlos alles, und davon so viel wir wollten.
Dass ein Cocktail in seiner Zusammensetzung schon mal variieren konnte, war allerdings irritierend. Gleiche Getränke schienen sich nach einem komplizierten System, dessen grundlegende Eigenschaft eine rotierende Verwendung der Bestandteile war, zusammenzusetzen.
Bei Bier konnte man sicher sein, einen Becher Bier zu bekommen, das kam ja schon fertig aus der Zapfanlage. Mein cuba libre wurde mal mit weißem, mal mit gelbem, mal mit braunem Rum, mal mit viel Limettensaft, mal ganz ohne zubereitet. Die von der Gattin bevorzugte Piña Colada legte eine interessante bis merkwürdige Farbgebung an den Tag.

Das karibische Meer ließ allerdings weder an Farbe noch an Temperatur kaum zu wünschen übrig und bewegte sich kaum bis gar nicht.
So vertrödelten wir einen angenehmen Nachmittag mit Sonne, Rum, geschäftigem Nichtstun, unterbrochen von baden und ein bisschen lesen.
Für den Abend hatte unsere Reiseleiterin, aufgrund der massiven Beschwerden ihrer Gruppe, ein Abendessen in einem Restaurant in Trinidad angekündigt.
Also wieder in den Bus und ab in die Stadt. Es war dunkel, und hatte sich ein winzig kleines bisschen abgekühlt. Wir liefen wieder durch die Gassen und konnten den Leuten wieder in die Zimmer schauen. Dort hingen sie in erstaunlich vielen Schaukelstühlen und schauten auf ihre Fernseher.



Das Restaurant hieß Plaza Mayor und lag auch unweit von demselben. Es gab dort…….Hühnchen. Mit Reis. Unter anderem. Aber auch frittierte Garnelen, glaube ich. Sowas in der Richtung. Das hatte ich und es war super. Auch das Hühnchen soll ganz toll gewesen sein. Das war nach übereinstimmender Meinung das beste Essen, das wir alle auf Kuba bis zu diesem Zeitpunkt hatten.
Nach einem Verdauungsspaziergang durch die dunklen bis spärlich erhellten Straßen auf denen noch immer allerhand Leute unterwegs waren, schaukelte der Bus uns zurück ins Hotel.

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